Ein Satz, von dem dein ganzer Gewinn abhängen kann: Verkaufst du nach mehr als einem Jahr, ist er steuerfrei. Hier erkläre ich in einfachen Worten, wie diese Frist funktioniert, was sie nicht abdeckt — und wo die typischen Denkfehler liegen.
Kurz gesagt: Hältst du einen Coin länger als ein Jahr, ist dein Gewinn beim Verkauf komplett steuerfrei. Egal wie hoch der Gewinn ist. Verkaufst du früher, musst du den Gewinn normalerweise versteuern. Das ist die Grundlage von allem, was in diesem Artikel kommt.
Ein Punkt verwirrt fast jeden am Anfang: Krypto wird anders besteuert als Aktien. Bei Aktien kennst du vielleicht die pauschale Abgeltungsteuer von 25 %. Bei Krypto gibt es die nicht. Ein steuerpflichtiger Krypto-Gewinn wird einfach zu deinem normalen Einkommen dazugerechnet — und mit deinem persönlichen Steuersatz versteuert. Der kann höher oder niedriger als 25 % liegen, je nachdem, wie viel du insgesamt verdienst.
Die Frist zählt taggenau — nicht nach Kalenderjahr oder -monat. Sie startet am Tag, an dem du kaufst, und endet genau ein Jahr später. Ein Beispiel: Kaufst du am 11. August 2026, ist ein Verkauf ab dem 12. August 2027 steuerfrei. Verkaufst du schon am 11. August 2027 selbst, zählt das noch als innerhalb der Frist.
Und noch etwas Wichtiges: Jeder Kauf hat seine eigene Frist. Hast du denselben Coin mehrmals gekauft, läuft für jeden Kauf eine eigene Ein-Jahres-Uhr. „Ich habe seit zwei Jahren Bitcoin" sagt also noch nichts darüber aus, ob ein bestimmter Verkauf steuerfrei ist.
Auch innerhalb des ersten Jahres bleibt ein Gewinn steuerfrei, wenn er klein genug ist: Liegen alle deine Gewinne aus solchen Verkäufen im Jahr zusammen unter 1.000 Euro, zahlst du nichts. Diese Grenze gilt seit 2024 — vorher waren es 600 Euro. Aber Achtung: Das ist eine Freigrenze, kein Freibetrag. Der Unterschied ist wichtig, wie du gleich siehst.
Bei einem Freibetrag bleibt der Betrag bis zur Grenze immer steuerfrei. Nur was darüber liegt, wird versteuert. So funktioniert die Krypto-Regel aber nicht.
Bei 999 € Gewinn zahlst du nichts. Bei 1.001 € wird nicht nur der eine Euro besteuert, sondern der komplette Betrag.
Hast du denselben Coin mehrmals gekauft und verkaufst nur einen Teil, stellt sich eine Frage: Welcher Kauf gilt jetzt als verkauft? Das ist wichtig, weil jeder Kauf sein eigenes Datum hat — und damit seine eigene Frist. In der Praxis gilt meist das FIFO-Prinzip (First In, First Out): Die Coins, die du zuerst gekauft hast, gelten auch als zuerst verkauft.
Du kaufst 0,1 BTC im Januar 2025, 0,1 BTC im Juli 2025 und 0,1 BTC im März 2026. Im Februar 2026 verkaufst du 0,15 BTC.
Deshalb lohnt es sich, jeden Kauf einzeln festzuhalten: Datum, Menge, Preis. Nur eine Gesamtsumme zu führen reicht nicht — im Nachhinein lässt sich sonst kaum noch sagen, welcher Teil schon steuerfrei war.
Der häufigste Denkfehler: „Verkauf" heißt hier nicht nur Krypto gegen Euro.
Der klassische Fall: Du tauschst auf einer Börse Coins gegen Euro oder Dollar. Ganz klar ein Verkauf.
Wird oft übersehen: Tauschst du einen Coin gegen einen anderen — zum Beispiel Bitcoin gegen Ethereum —, zählt auch das als Verkauf. Die Frist für den Bitcoin endet in diesem Moment. Für den neuen Coin beginnt eine neue Frist.
Zahlst du mit Krypto, zum Beispiel beim Einkaufen, zählt das steuerlich genauso wie ein Verkauf — zum Kurs im Moment der Zahlung.
Krypto mit Euro zu kaufen, löst für sich allein keine Steuer aus. Erst der spätere Verkauf, Tausch oder das Ausgeben zählt.
Coins von einer Börse auf deine eigene Wallet zu bewegen, ändert nichts am Eigentum. Das zählt nicht als Verkauf — die Frist läuft einfach weiter.
Steht ein Coin bei dir im Minus, kannst du ihn verkaufen, solange du noch innerhalb der Einjahresfrist bist. Damit „realisierst" du den Verlust steuerlich. Willst du den Coin trotzdem weiter halten, kannst du ihn direkt danach wieder zurückkaufen. In Deutschland gibt es dafür keine Sperrfrist — anders als in den USA. Der Rückkauf startet einfach eine neue Frist, zum neuen Kurs. Der Verlust aus dem Verkauf bleibt dabei bestehen.
Wofür ist das gut? Einen Verlust kannst du mit Gewinnen aus anderen Verkäufen im selben Jahr verrechnen — zum Beispiel, wenn du früher im Jahr bei einem anderen Coin schon Gewinn gemacht hast. Hattest du in dem Jahr keinen solchen Gewinn, kannst du den Verlust auch in andere Jahre mitnehmen.
Verkaufst du einen Coin mit Verlust, den du schon länger als ein Jahr hältst, passiert steuerlich nichts. Nach einem Jahr zählen weder Gewinn noch Verlust.
Ein Verlust aus Krypto-Verkäufen mindert nur Gewinne aus ähnlichen Verkäufen. Nicht dein Gehalt, nicht Aktiengewinne, keine anderen Einkommensarten.
Gebühren beim Verkaufen und Zurückkaufen kosten echtes Geld. Bei kleinen Beträgen kann das den steuerlichen Vorteil komplett auffressen.
Es gibt eine Regel, nach der sich die Haltefrist bei manchen Dingen auf zehn Jahre verlängert — und zwar dann, wenn damit Einkünfte erzielt wurden. Weil Staking und Lending genau das tun, kursierte lange die Sorge: Müssen gestakte Coins jetzt zehn statt ein Jahr gehalten werden, um steuerfrei zu sein?
Die Antwort: Nein. Das Bundesfinanzministerium hat das mit einem Schreiben vom Mai 2022 klargestellt. Egal ob du deine Coins gestakt, verliehen oder einfach nur gehalten hast — die normale Einjahresfrist bleibt bestehen.
Was du trotzdem wissen solltest: Die Staking- oder Lending-Erträge selbst sind eigenes steuerpflichtiges Einkommen, und zwar in dem Moment, in dem du sie bekommst. Dafür gibt es eine eigene, viel kleinere Freigrenze von 256 Euro im Jahr. Das ist ein eigenes Thema für sich — hier zählt nur: Staking allein verändert nicht die Frist deines ursprünglichen Bestands.
Am Ende läuft alles hier auf eins hinaus: Ohne saubere Aufzeichnung von Kaufdatum, Menge und Preis lässt sich später kaum noch belegen, welcher Teil deines Bestands schon steuerfrei ist. Bei ein paar Käufen merkst du dir das noch. Bei zehn oder zwanzig Käufen über mehrere Jahre nicht mehr.
Trag jeden Kauf einmal ein, und der Tracker zeigt dir pro Kauf, ab welchem Tag er steuerfrei wird — inklusive CSV-Export für deine Unterlagen. Alles bleibt in deinem Browser.
Zum Haltefrist-TrackerDieser Artikel erklärt die Rechtslage verständlich. Er ersetzt aber keine individuelle Steuerberatung. Für deine echte Steuererklärung hilft nur ein Steuerberater oder eine geprüfte Krypto-Steuersoftware.
Sonderfälle wie gewerbliche Tätigkeit statt privater Vermögensverwaltung oder komplexe DeFi-Vorgänge deckt dieser Artikel bewusst nicht ab. Sie können die Einordnung verändern.
Steuerrecht ändert sich. Prüf bei wichtigen Entscheidungen, ob sich seit Veröffentlichung dieses Artikels etwas geändert hat.